Die Debatte „Preise auf die Website oder nicht" kam wohl in jedem SaaS Unternehmen mindestens einmal auf den Tisch. Meinungen dazu gibt es reichlich, Zahlen kaum.
Also haben wir nachgesehen. 551 Anbieter — von Salesforce bis zur deutschen Hausverwaltungssoftware — Webseite besucht, Preisseite gesucht und ausgewertet.
Das Ergebnis
Von 529 prüfbaren Anbietern:
Was auf der Seite steht | Anteil |
|---|---|
Tarife mit Preisen | 57 % |
genau ein Preis, meist „ab X €" | 2 % |
Preisseite vorhanden, aber ohne jede Zahl | 15 % |
gar keine Preisseite | 21 % |
Aus Wertung entfernt (Fehler jeglicher Art) | 5 % |

36 % nennen keinen einzigen Preis. Fast jeder Vierte hat einfach keine Preisseite.
Je größer das Unternehmen, desto seltener der Preis
Größe | Preis sichtbar |
|---|---|
unter 50 Mitarbeiter | 80 % |
50–250 | 62 % |
250–1000 | 53 % |
über 1000 | 51 % |

Hier ist ein klarer Trend erkennbar: Große Unternehmen haben eine Sales Devision, einen aktiven Vertrieb und bevorzugt das Gespräch das besser verkauft, als eine Preisseite. Wer keinen Vertrieb hat, muss die Zahl zeigen — sonst passiert nichts. Die Preisseite verrät damit zuverlässiger als jede Über-uns-Seite, wie ein Anbieter verkauft.
Deutsche Anbieter zeigen weniger — obwohl sie kleiner sind
DACH 53 %, international 67 %.

Das ist der interessantere Befund, denn die DACH-Anbieter in der Stichprobe sind im Schnitt kleiner. Nach dem Größenmuster müssten sie mehr zeigen, nicht weniger. Der Unterschied kommt also nicht aus der Unternehmensgröße, sondern aus der Verkaufskultur.
Der Extremfall: Immobiliensoftware
35 Anbieter aus Makler-CRM, Hausverwaltung und PropTech — 34 % zeigen einen Preis. Nach Enterprise-Software die verschlossenste Kategorie im Datensatz.

21 von 35 haben überhaupt keine Preisseite, darunter onOffice, FLOWFACT, Aareon, Haufe, DOMUS, CREM Solutions, FIO Systems, PriceHubble und Sprengnetter. Preise nennen fast ausschließlich die jüngeren und kleineren Anbieter: Propstack, casavi, adfinity, Objego, immocloud, etg24, EverReal, SEPApro.
Das ist weniger ein Vorwurf als eine Marktbeschreibung. Eine Branche, in der Software seit jeher über Außendienst, Messe und Verband verkauft wird — und eine zweite Generation, die aus einer Preisseite ihr Verkaufsargument macht.
Was die Anbieter mit Preisseite sonst noch tun
Über alle 401 gefundenen Preisseiten:
65 % bieten einen Monats-/Jahres-Umschalter
60 % haben mindestens einen Tarif „auf Anfrage"
45 % setzen einen Demo-CTA direkt auf die Preisseite
40 % arbeiten mit „ab"-Preisen statt Festpreisen
Der meistgewählte Weg ist also gar nicht „Preis oder kein Preis", sondern die Mischung: untere Tarife mit Zahl, oberster Tarif auf Anfrage.
Fazit
Preistransparenz ist keine Frage von Mut oder Offenheit. Sie ist die Konsequenz aus der Unternehmensgröße und dem Vertriebsmodell.
Drei Schlüsse für die eigene Seite:
Kein Vertriebsteam? Dann ist die Preisseite kein Risiko, sondern ist der Vertrieb. Ohne Zahl bleibt nur das Kontaktformular, und das füllt kaum jemand für ein Produkt aus, dessen Größenordnung er nicht kennt.
Vertrieb mit Außendienst? Dann lautet die Frage nicht, ob Preise gezeigt werden, sondern ob dein Einstiegssegment darauf wartet. Ein Einstiegspreis („ab X € pro Monat") kostet nichts und filtert genau die Anfragen heraus, die ohnehin nie zum Abschluss geführt hätten.
Wenn ein Preis vorhanden ist, Umsatzsteuer ausweisen! Jede zweite deutsche Preisseite tut das nicht.
Was diese Daten nicht zeigen
Die Unternehmens-Größen und Klassifizierung (S,M,L,XL) sind geschätzt, nicht erhoben.
Erhoben im September 2026. Der vollständige Datensatz mit allen 551 Anbietern, Filtern und den gesicherten Preisseiten liegt als Beleg vor.
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